Søndbjerg Kirche
Die Kirche von Søndbjerg ist eine romanische Quadersteinkirche und eine seltene Adelskirche mit Turm. Auf dem Sockel befinden sich Runeninschriften, die Auskunft darüber geben, wer die Kirche finanzierte und erbaute.

Ein Teil der Kirchengeschichte ist dramatisch: Eine Liebesgeschichte endete mit Brandstiftung und päpstlicher Exkommunikation. Diese Geschichte ist in einem mittelalterlichen Volkslied und einer Legende verewigt. Zudem wurde die Kirche 1745 von einem Erdbeben getroffen und ist der Ort, an dem der Priester und Wissenschaftler Jacob Nicolai Wilse aufwuchs.

Eine seltene Kirche für einen Adligen
Die Kirche von Søndbjerg befindet sich im Dorf Søndbjerg im Süden von Thyholm. Sie ist eine romanische Quadersteinkirche aus dem frühen Mittelalter und eine der wenigen Adelskirchen mit Turm. Sie war Maria geweiht, was auf einen hohen Status der Kirche hinweist. Bei einer umfassenden Restaurierung im Jahr 1909 wurde ein verborgener Ecksockel mit einer Runeninschrift entdeckt, die übersetzt lautet: „Jakob volte, Skjalm did. Wo der Altar ist, da ist das Auge.“ Dies lässt sich nur so deuten, dass Jakob der Stifter der Kirche war, der Adlige, der auch den Bau finanzierte, und Skjalm der Baumeister. Dies ist einer der wenigen Fälle in Dänemark, in denen die Entstehung einer romanischen Kirche schriftlich belegt ist. Im Zuge der Restaurierung wurde der gefundene Ecksockel in die Turmwand eingesetzt.

Liebesdrama, Brandstiftung und Exkommunikation durch den Papst
In Søndbjerg gibt es ein überliefertes mittelalterliches Volkslied und eine Legende über ein Liebesdrama, das damit endete, dass der Herr von Helleris (einem noch heute existierenden Bauernhof) in der Kirche verbrannt wurde. Bekannt ist auch, dass die Kirche im späten Mittelalter vom Papst exkommuniziert wurde, weshalb ein Brandanschlag durchaus möglich ist. Bei einer umfassenden Renovierung des spätgotischen Turms im Jahr 1967 entdeckten die Mitarbeiter des Nationalmuseums mehrere Spuren eines heftigen Brandes in der Kirche. Ausgrabungen ergaben, dass die Kirche ursprünglich einige Meter länger war und einen Turm besaß, der zeitgleich mit ihr errichtet worden war. Auch Fragmente des Taufbeckens wurden gefunden, die die Beschädigungen des bestehenden Taufbeckens erklären. Man kam zu dem Schluss, dass der ursprüngliche romanische Turm im späten Mittelalter bei einem Brand eingestürzt war und anschließend der heutige spätgotische Turm errichtet wurde.
Risse durch Erdbeben
Laut J. N. Wilse, dem Sohn eines Priesters aus Søndbjerg Mitte des 18. Jahrhunderts, wurde die Kirche 1745 von einem Erdbeben erschüttert, das Risse im Mauerwerk des Chors verursachte. Er berichtet außerdem, dass das Erdbeben einen Einsturz einer Klippe am Serup Strand zur Folge hatte. Die Dänische Geologische Gesellschaft schrieb 1915: „Im Februar 1745 ereignete sich auf Thyholm ein starkes Erdbeben, bei dem die Mauer über dem Chor der Kirche von Søndbjerg Risse bekam und es an einigen Hügeln am Strand zu Erdrutschen kam. Wahrscheinlich ereignete sich dies zeitgleich mit dem Erdbeben, das am 7. desselben Monats in Christianssand und Umgebung (Südnorwegen) stattfand, sich unter dem Meer ausbreitete und wohl einige Kilometer von Kopenhagen entfernt seinen Ursprung hatte.“

vom Eis transportierte Felsbrocken
Der Friedhofswall besteht aus Findlingen, die als Überschuss beim Bau des Friedhofs anfielen. In der umliegenden Landschaft gab es zahlreiche Findlinge. Hier finden sich mehrere ausrangierte Steine, an denen Spuren der Spalttechnik erkennbar sind. Auf dem Friedhof selbst liegt ein bearbeiteter Quaderstein, der belegt, dass es sich um abgerundete, eiszeitlich transportierte Steine handelt, deren Vorderseite gehobelt und deren Seiten bearbeitet wurden. Genau diese abgerundeten Rückseiten der Quadersteine führten zu Ausbeulungen der Außenmauern, wodurch die Außenmauern der meisten Kirchen im Laufe der Zeit mehrmals umgebaut wurden. Das Mauerwerk der romanischen Kirchen ist als etwa 1 m dicke Kastenmauer ausgeführt, deren Innenwand aus kleineren, unbehauenen Steinen und deren Außenwand aus Quadersteinen besteht. Der Zwischenraum ist mit Schutt und Mörtel verfüllt.
Pionier der Aufklärung
Jacob Nicolai Wilse (1735–1801) war der Sohn eines Pfarrers aus Søndbjerg. Schon als Kind und junger Mann erforschte er Natur und Volksleben auf Thyholm. Seine wertvollen Beobachtungen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts sind in einer kleinen Schrift von 1762 festgehalten. Er wurde einer der Pioniere der neuen Wissenschaft der Aufklärung. Später wirkte er als Pfarrer in Spydeberg im Südosten Norwegens. Dort schuf er, inspiriert von seiner wissenschaftlichen Arbeit in Norwegen, einen Garten im Rokokostil – eine Baumschule mit Nutzpflanzen für norwegische Bauerngärten. Der Garten wurde 2014 in Spydeberg rekonstruiert, und eine kleinere Nachbildung befindet sich im Regionalmuseum Thyholm in Søndbjerg. Das Museum wurde von ehrenamtlichen Helfern aus der Region erbaut und wird von ihnen betrieben. Von Søndbjerg aus führten mehrere Wanderwege zu Themen, die auf Wilses Beobachtungen und Beschreibungen basierten.

