Die alte Straße
Der Begriff „Alte Straße“ bezeichnet die deutlichen Spuren antiker Siedlungen entlang der Haupteislinie, die durch Grabhügel und Spuren alter Straßen im gesamten Geopark von der Nordsee im Westen bis nach Viborg im Osten gekennzeichnet sind.

Auf dem Küstenabschnitt von Trans an der Westküste bis Karup Å finden sich Reihen und Gruppen von Grabhügeln aus der Jungsteinzeit und Bronzezeit, die einem klar erkennbaren geologischen Muster folgen. Es besteht eine bemerkenswerte Übereinstimmung zwischen den Hügelreihen und den Gletscherlandschaften. Die Grabhügel folgen der markanten Landschaftsgrenze zwischen Moränenlandschaft und Schmelzwasserebene (Heideebene) – sie liegen zumeist direkt an der Hauptwohnlinie oder in unmittelbarer Nähe dazu.

Zusammenhang zwischen Geologie und Kulturgeschichte
Für dieses Phänomen lassen sich geologische Erklärungen finden. Morphologisch betrachtet liegt die gesamte Landschaft in relativ großer Höhe und weist nur wenige sich kreuzende Wasserläufe und Sumpfgebiete auf. Interessanterweise sind die Böden unmittelbar um die Hauptsiedlungslinie durch leichte, aus Sand und Lehm gemischte Böden gekennzeichnet. Das Hochland und damit die Siedlungen aus Jungsteinzeit und Bronzezeit befinden sich genau in diesem schmalen Übergangsstreifen zwischen der lehmigen Moränenlandschaft und der Schmelzwasserebene (Heideebene). Für die Bauern, die sich hier vor fast 5000 Jahren ansiedelten, waren diese Bodenverhältnisse optimal: Die ausreichend fruchtbaren und leichten Böden konnten mit dem damaligen Pflug, dem Arden, bearbeitet werden. Schwerere Lehmböden ließen sich damit nur schwer bearbeiten. Bemerkenswert ist auch, dass in den Moränenlandschaften hinter der Hauptsiedlungslinie keine nennenswerten Funde aus der Bronzezeit gemacht wurden. Der schmale Streifen zwischen der Randmoräne und der Heide-Ebene wurde bis zu den Agrarreformen um 1800 intensiv als Ackerland bewirtschaftet, im Gegensatz zu den eisfreien Landschaften im Norden und der Heide-Ebene im Süden.

Die Kultur der Einzelgräber
Die Heideflächen Westjütlands breiteten sich bereits zur Zeit der Eingrabkultur aus, vermutlich infolge von Abholzung und Brandrodung. Kultivierte Kulturheiden mit häufigen Bränden sind genau aus der Zeit der Eingrabkultur bekannt; man geht davon aus, dass sie damals als Weideflächen dienten. Die wenigen bisher gefundenen Siedlungen aus der Bronzezeit liegen unmittelbar nördlich des Höhenzugs und somit hinter der Randmoräne, wie es auch bei den Höfen bis zu den landwirtschaftlichen Siedlungsformen der Fall war, die im Abschnitt Lomborg-Ramme deutlich erkennbar sind.
Grabhügel entlang der alten Straße
Die antike Straße präsentiert sich als langgestreckte Hügelkette. Sie bildet einen Korridor von der Nordsee östlich von Viborg und erstreckt sich somit über fast 110 km. Die Hügelkette besteht heute aus etwa 560 geschützten Grabhügeln und rund 1300 Ackerhügeln. Die meisten Hügel wurden in der Frühbronzezeit (1700–1100 v. Chr.) errichtet. Die antike Straße verläuft als bedeutender Korridor durch die Gemeinden Lemvig, Struer und Holstebro und ist dort etwa 65 km lang. Es ist anzunehmen, dass es an der damaligen Westküste einen Anlegeplatz gab. In der Bronzezeit herrschte reger Seehandel. Unter anderem gelangte Zinn (10 % Zinn und 90 % Kupfer), ein wichtiger Rohstoff für die Bronzeherstellung, über den Seeweg. Ausgehend von Cornwall und Devon in Südengland und zusammen mit den vielen Schiffsmotiven in skandinavischen Felszeichnungen liegt es nahe, sich einen Hafen und Handelsposten an der Westküste vorzustellen, wo Bernstein gegen Edelmetalle – darunter auch Goldgegenstände – getauscht werden konnte.

Schlaglöcher mit historischen Spurrillen
In der Antike konnten Reisende mithilfe des Höhenrückens navigieren und so in der teils unwegsamen Landschaft die Furten finden. Die Alte Straße stellt daher einen wichtigen Teil der prähistorischen Infrastruktur dar. Heute ist die Alte Straße nur noch auf wenigen Abschnitten erkennbar. Im Zuge der Landreformen und der damit einhergehenden Erneuerung wurden die Feldanlagen und somit auch der Verlauf der Straße neu angelegt. Auf den ursprünglichen Ersatzkarten sind auf einem Großteil des Verlaufs der Alten Straße Straßen zu sehen, die weitgehend dem Höhenrücken folgen. Einige dieser Abschnitte existieren noch heute als lokale Feldwege.

