Marktstadt Lemvig
Die Unterwasserlandschaft entlang der Westküste – die sogenannte „Eisenküste“ – ist seit jeher eng mit dramatischen Schiffsunglücken verbunden.

Ein Teil der Geschichte handelt auch von den enormen Anstrengungen zur Rettung der Besatzungen der gestrandeten Schiffe. Die Rettungsstation Flyvholm war der Beginn des dänischen Seenotrettungsdienstes.
Die Einrichtung des Rettungsdienstes
1847 lief das große englische Schiff Vertumnus an der Westküste nahe Harboøre auf Grund. Der zuständige Kommissar C. B. Claudi überzeugte einheimische Fischer, zum Schiff hinauszufahren und die Besatzung zu retten, und begleitete sie selbst. Es gelang ihnen jedoch nur, wenige Seeleute zu retten. Daraufhin ergriff Claudi die Initiative und gründete nach englischem Vorbild einen Rettungsdienst. Die ersten beiden Rettungsstationen wurden bereits 1847 in Tuskær bei Fjaltring und in Flyvholm bei Harboøre in Betrieb genommen. Claudi weckte weiteres Interesse an dem Thema, und 1852 wurde der Rettungsdienst als landesweite staatliche Institution gegründet. Claudi leitete ihn bis 1869, anschließend folgte ihm Konsul A. Andersen bis 1909. Während dieser gesamten Zeit befand sich der Hauptsitz in Lemvig. Später zog er nach Skagen und schließlich nach Kopenhagen um.
Rettungsschwimmerstation an der Eisenküste
Die Rettungsstation Flyvholm und die anderen Stationen entlang der „Eisernen Küste“, wie die Westküste Jütlands in den Seehandbüchern genannt wurde, waren stark frequentiert. Das schlichte Gebäude der Rettungsstation mit den gekreuzten Dannebrog-Flaggen am grün gestrichenen Tor liegt direkt hinter dem Seedeich zwischen Langerhuse und Vrist. Es ist nicht mehr in Betrieb, aber im Inneren kann man das große Ruderrettungsboot mit den langen Rudern und der übrigen Ausrüstung besichtigen. Das Boot kam zuletzt 1968 bei einer Übung zum Einsatz. Die Besatzung der Rettungsstation Flyvholm rettete über 700 Menschen vor dem Ertrinken, oft unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Heute sind die kleinen Rettungsstationen durch verbesserte Navigationsmethoden und leistungsstärkere Motoren überflüssig geworden.

Schiffbruch
Schiffbrüche waren an der Westküste Jütlands schon immer ein wiederkehrendes Ereignis und somit Teil des Lebens in der Region Lemvig. In den „Danske Lods“ von 1866 heißt es über die Westküste: „Diese Küste ist eine eiserne Küste ohne Häfen und Schutzplätze, die Schiffe daher bei allen Winden, die nicht vom Land wehen, generell meiden sollten.“ Bei stürmischem Wetter ist die See rau, und wenn ein Schiff von der Strömung landwärts getrieben wurde, konnte die sandige Brandung es in kürzester Zeit zum Kentern bringen. Das Überleben der Seeleute hing daher von den Bewohnern der Küste ab. Allein in den Jahren 1850–1925 liefen 3.608 Schiffe an der dänischen Westküste auf Grund, von denen 2.111 vollständig sanken.
Verbreitung
Die Rettungsstation Flyvholm ist ein wichtiger Kommunikationspunkt sowohl für den Rettungsdienst als auch für das Konzept der „Eisernen Küste“. Von der Rettungsstation Flyvholm aus und mithilfe der App „Eiserne Küste“ wird die Geschichte der Strandungen an der Küste zwischen Thyborøn und Thorsminde zugänglich gemacht. Im Mittelpunkt steht dabei die immense Kraft des Meeres und die Seeleute, Fischer und Retter, die seit Jahrhunderten den besonderen Strömungs- und Windverhältnissen dieser Region ausgesetzt sind. Schiffswracks sind auch im Strandungsmuseum St. Georg in Thorsminde und im Küstenzentrum in Thyborøn ein zentrales Thema.

