Marktstadt Lemvig
Die Region birgt eine spannende Geschichte über die Aufstauung eines Küstenabschnitts zur Schaffung von mehr Ackerland und die damit verbundenen vielfältigen Interessen. Gleichzeitig ist das Gebiet heute ein wertvolles Naturschutzgebiet mit Natura-2000-Status und könnte zukünftig ein Naturpark werden.

Die Geschichte
In den Jahren 1876/77 wurde ein Damm mit einer einfachen Schleuse errichtet, um den flachen Sønder Lem Vig von der Venø Bugt aus zu stauen. Der Damm ermöglichte eine schnellere Straßenverbindung zwischen Nord und Süd und bot gleichzeitig besseren Schutz vor Überschwemmungen aus dem Limfjord. Südlich des Sønder Lem Vig wurde bei Geddal Strandenge ein niedriger Sommerdeich angelegt, der die Heuernte auf den Wiesen in den Sommermonaten schützte. Seit dem Ersten Weltkrieg wurde mehrfach geprüft, ob das gesamte aufgestaute Gebiet entwässert werden sollte, um Getreideanbau auf den Wiesen zu ermöglichen. Es gab heftige Proteste gegen das Projekt, und auch die Bauern selbst lehnten es ab, da der aufgestaute Boden zu sandig war. 1945 wurde das Projekt schließlich verworfen. 1955 beantragte die Digelaget for Sønder Lem Vig die Genehmigung und Unterstützung des Staates zur Regulierung des Wasserstands in der Bucht. Trotz des Widerstands gegen das Projekt wurden 1960 neue Pumpen installiert und in Betrieb genommen. Fast zeitgleich wurden 92 Hektar in Geddal Strandenge mithilfe von Entwässerungskanälen und einer Pumpe trockengelegt, um die ehemaligen Wiesenflächen landwirtschaftlich nutzen zu können. Dieses Projekt wurde um 1958 abgeschlossen. In den folgenden Jahren bis 1990 kam es jedoch aufgrund von Sturmfluten zu mehreren Deichbrüchen. Daraufhin führte der Staat 1992 über die Dänische Forst- und Naturschutzbehörde (heute Dänische Naturschutzbehörde) ein Renaturierungsprojekt für Geddal Strandenge durch und erwarb 140 Hektar Land. Die Pumpe wurde entfernt und in dem Gebiet wurden Naturschutzprojekte durchgeführt. Das Gebiet und seine Projekte erzählen eindrucksvoll die Geschichte, wie wirtschaftliche Entwicklung und politische Interessen die Entwicklung eines großen Natur- und Agrargebiets maßgeblich beeinflusst haben.

Natura 2000-Gebiet Nr. 32 Sønderlem Vig und Geddal Strandenge
Das Natura-2000-Gebiet liegt teils in der Gemeinde Holstebro und dem Geopark, teils in der Gemeinde Skive. Das Schutzgebiet umfasst insgesamt 1.115 ha mit den Lebensraumtypen Lagune, Salzwiese, Kelpsee und nährstoffreicher Teich. Davon sind 241 ha offene Wasserfläche. Die dänische Naturschutzbehörde besitzt 118 ha des Gebiets – hauptsächlich in Geddal Strandenge –, der Rest befindet sich in Privatbesitz. Neben den genannten Lebensraumtypen ist das Vorkommen von Fischottern ein wesentlicher Bestandteil der Schutzgebietsausweisung. Der Bestand gilt als robust und stabil. Das Gebiet wird durch Beweidung und die Beseitigung unerwünschter Vegetation gepflegt. Derzeit laufen Vorbereitungen für die Beantragung von Fördermitteln aus dem EU-LIFE-Programm zur Verbesserung des Naturzustands.


Leben im Freien und Verbreitung
Im Zuge der Umsetzung des Naturschutzprojekts hat die dänische Naturschutzbehörde einen Parkplatz mit Informationstafeln und einem kleinen Vogelbeobachtungsturm errichtet. Der Bürgerverein Ejsing hat einen barrierefreien Wander-, Rad- und Reitweg angelegt. Das Wegenetz ist auch mit Skånsø (geologisches Schutzgebiet Nr. N42) verbunden. Das Gebiet liegt zudem an der nationalen Radroute Nr. 12, der Limfjord-Route. In Zusammenarbeit mit Grundstückseigentümern, den Gemeinden Holstebro und Skive sowie dem Outdoor-Aktivitäten-Rat wurde eine Initiative gestartet, um in dem Gebiet, das auch Flyndersø (geologisches Schutzgebiet Nr. 41) umfasst, einen neuen Naturpark zu schaffen.
Sønderlem Vig, Geddal Strandenge und Geopark Westjütland
Das Gebiet ist außerdem eine der Geostätten des Geoparks Vestjylland und hat einen hohen Wert als Reiseziel, wo Geologie, Natur und Kulturgeschichte zu einer spannenden Geschichte verschmelzen.

